Das Lootbox-Problem

Das Lootbox-Problem

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Sind Lootboxen ein getarntes Glücksspiel?

Seit der Einführung von FIFA Ultimate Team 2008 sind Lootboxen in der Kritik. Doch besonders seit dem Erfolg von Overwatch (2015) und dem System von Star Wars Battlefront 2 (2017) ist es nicht nur ein großes Thema unter Spielern, sondern hat auch seinen Platz auf der politischen Bühne bekommen.

Spiele mit Lootboxenmechaniken gibt es viel zu viele um alle aufzuzählen. Zu den bekanntesten Vertretern dürften Overwatch, Hearthstone, Counter Strike: Global Offensive und vor allem FIFA gehören.

Lootbox ist nicht gleich Lootbox. Die Art des Inhalts ist ein maßgeblicher Bestandteil. Nehmen wir zum Beispiel Blizzards Overwatch. In Overwatch enthalten die Lootboxen ausschließlich kosmetische Gegenstände. Skins, Sprays, Emotes und solche Dinge. Der Spieler bekommt keinen spielerischen Vorteil. Dann gibt es aber noch Lootboxen, wie in der Form des FIFA Ultimate Team. Hier werden die Spieler, mit denen man sein Team aufstellen kann “gezogen”. Was bedeutet: Je mehr Geld man EA in den Rachen wirft, umso größer ist der Vorteil den der/die Spieler:in hat. Man kann somit ganz klar sagen, dass man beim FIFA Ultimate Team eine Pay-to-Win-Mechanik im Kleide des Zufallfaktors bekommt.

Sind die Lootboxen von Overwatch also besser als die von FIFA? Es lässt sich zwar nicht abstreiten, dass Lootboxen wie in Overwatch einen weniger faden Beigeschmack haben, aber das Problem liegt in dem Aspekt, den die unterschiedlichen Lootboxen gemeinsam haben. Die Spannung die beim Öffnen entsteht und zu hoffen, den gewünschten Inhalt zu bekommen.

Dieses Gefühl hat ein bisschen etwas von der Situation, wenn man als kleiner Pimpf an Heilig Abend freudig in sein Zimmer geht, den Kopf voller Fantasie und auf den Weihnachtsmann wartet. Manche Kinder, oder wie in diesem Fall manche Spieler:innen, möchten danach einfach mehr und wollen diesen einen Charakter oder diesen speziellen Skin haben. Wenn man von diesem “Rausch” vereinnahmt wird, wird es schnell schmerzhaft für den Geldbeutel.

Nicht wenige, darunter auch Behörden, sehen in Lootboxen dadurch eine Analogie zum Glücksspiel. In Belgien wurden bereits 2018 Overwatch, FIFA und Counter Strike: Global Offensive als Glücksspiel eingestuft. Bezüglich des Glücksspielfaktors wurde, ebenfalls 2018, von der Kansspelautoriteit (die niederländische Glücksspielbehörde; kurz KSA) eine Studie durchgeführt, um das Glücksspielverhalten von Jugendlichen zu Untersuchen, mit dem Ergebnis, dass vor allem junge Spieler:innen anfällig dafür sind.

Dieser Moment wenn man gespannt ist, was man bekommt!

Meine Erfahrung ist natürlich in keinster Weise repräsentativ, deckt sich aber mit dem Ergebnis der Studie. Ich habe drei Jahre bei GameStop gearbeitet und meist waren es die jungen Leute, die immer wieder kamen und zum Beispiel FUT’s oder GTA V Dollar wollten. Nicht selten auch mehrmals am Tag. Bei einigen Gesichtern gab es dann nur noch die Ware von mir in begleitung eines Elternteils.

Bei Spielen wie Overwatch verstehe ich zum Beispiel nicht, warum kosmetische Gegenstände nicht direkt zum Kauf angeboten werden. So könnte man Lootboxen in Form einer Belohnung im Spiel lassen. Ich glaube auch nicht, dass Activision Blizzard oder sonst wem dabei Geld durch die Lappen gehen würde.

Schwieriger wird es bei Sammelkartenspielen. Das Konzept des Zufallsfaktors existiert hier schon seit dem Erscheinen des ersten Sammelkartenspiels, Magic the Gathering, 1993 und gehörte schon immer einfach dazu. Schwieriger wird es in sofern, dass der Digitale Markt den Zugang und die “Hürden” zum Kaufen vereinfacht hat. In Hearthstone hat Blizzard mit der aktuellen Edition “Der Dunkelmond-Wahnsinn” aber einen interessanten neuen Ansatz eingebracht. Man kann sich das Mini-Set “Das Dunkelmond-Rennen”, welches 35 der 170 neuen Karten aus der Edition enthält, direkt kaufen. Man könnte unterschiedliche Sets zu unterschiedlichen Preisen anbieten. Das könnten “Starter Packs” sein mit fest definierten Karten, ein Komplettset oder eben klassenspezifische “Sets”. Somit kann jeder selbst entscheiden, wie er das Geld in das Spiel investieren will. Ebenso könnte man dadurch Spieler:innen an Land ziehen, die das Spiel bis jetzt gemieden haben, weil das Konzept der Boosterpacks nicht gemocht wird.

Zumindest würde ich mir einige Dinge wünschen:

  1. Eine Pflicht, dass der Publisher auf der Verpackung auf vorhandene Mikrotransaktionen, egal in welcher Form, die sich im Spiel befinden verweist (Zu Mikrotransaktionen allgemein folgt ein eigener Blogpost).
  2. Alternative Erwerbsmöglichkeiten (nicht nur durch eine erspielbare Währung) der Skins, Karten und Co. abseits der Zufallsmechanik.
  3. Verpflichtung der Händler über die Thematik aufzuklären, genauso wie bei der USK-Einstufung der Spiele.
  4. Guthabenkarten sollten nicht nur eine Altersempfehlung haben, sondern ebenfalls von der USK verpflichtend eingestuft werden. Zum Beispiel eine Riotpointskarte für League of Legends sollte, wie auch das Spiel selbst, eine USK 12 Freigabe erhalten. Allgemeine Guthabenkarten für Stores eine USK ab 18 Freigabe.

Den vierten Punkt möchte ich noch begründen. Zwar gibt es in der Theorie die Altersbeschränkung an der Konsole, doch ich glaube jeder hier weiß wie einfach man sie umgehen kann. Das System kann nicht prüfen, ob die Person am Controller auch wirklich 16 oder 18 Jahre jung ist. Somit kann ein 14 Jähriger beispielsweise bei Saturn, MediaMarkt oder GameStop eine 50€ Guthabenkarte für seine XBOX erwerben und damit dann GTA V im Store kaufen, wenn das XBOX-Konto eben auf 18 gestellt ist.

Ob ich Lootboxen grundsätzlich als Glücksspiel einstufen würde, finde ich schwer zu beantworten. Alle kaufbaren Lootboxen haben für mich jedenfalls einen Glücksspielcharakter. Die Grenze würde ich aber bei dem möglichen Inhalt ziehen. Wichtig wäre auch die Frage, ob es alternative Erwerbsmöglichkeiten auf gleichem Wege gibt und ob sie eine Pay2Win-Mechanik beinhalten. FUT gehört für mich zum Beispiel ganz klar verboten durch den Pay2Win-Charakter. Hearthstone würde wohl aus diesem Raster rausfallen, wenn Blizzard das Konzept des “Mini-Sets” weiter verfolgt und es ausbaut. In aller erster Instanz liegt die Verantwortung aber bei jedem selbst und im Fall der Jüngeren auch bei den Eltern. Aber ich bin ganz klar für weitere Maßnahmen in diesem Sektor, auch um vorbeugend die Jüngeren davor zu schützen am Ende nicht in eine Glücksspielsucht zu fallen. Wie seht Ihr das? Was ist Eure Meinung zu Lootboxen? Hinterlasst mir doch einen Kommentar oder schreibt mir auf Twitter!

Damit verpixel ich mich erstmal wieder in die unendlichen Weiten der Pixelwelten,
Euer Serraz.